Pressemitteilung
Berlin/Potsdam, 6. Juli 2018

24. Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg endet mit der Vergabe der Gershon-Klein-Filmpreise an THE CAKEMAKER und IN HER FOOTSTEPS.

Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg vergibt traditionell im Rahmen des Festivals die drei mit insgesamt 7.000 € dotierten Gershon-Klein-Filmpreise, die alljährlich von der Familie Klein gestiftet und an Filmregisseure verliehen werden. Die Preise – „Beste Regie Spielfilm“, „Beste Regie Dokumentarfilm“ und die „besondere Empfehlung eines Deutschen Films mit jüdischer Thematik“ - werden von drei verschiedenen Jurys vergeben. Anlässlich des 70. Jahrestags der Staatsgründung Israels gingen um den Regiepreis für den besten Spielfilm in diesem Jahr nur israelische Filme ins Rennen.

Die Kritikerjury des 24. Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg, die in diesem Jahr aus den international renommierten Filmjournalistinnen Hannah Brown (Jerusalem Post), Alissa Simon (Palm Springs International Film Festival) und Katja Nicodemus (Die Zeit) bestand, kürte Regisseur Ofir Raul Graizer für seinen Spielfilm THE CAKEMAKER mit der Auszeichnung „Beste Regie Spielfilm“.
 
Aus ihrer Begründung: „THE CAKEMAKER, Ofir Raul GraizersSpielfilmdebut, ist eine nachdenkliche, berührende Geschichte, die die Verbindungen zwischen Berlin und Jerusalem, Deutschen und Juden, Hetero- und Homosexualität, Untreue und Vergebung, religiösem Glauben und Säkularität und Liebe und Verlust beleuchtet. Erfüllt von der Sinnlichkeit von Sex und Essen, legen die Figuren eine gewinnende Humanität an den Tag, während sie versuchen, sich zu definieren und mit Widersprüchen und Anziehungskräften umzugehen, die sie nur allmählich verstehen. THE CAKEMAKER besticht mit seiner wunderschönen Fotografie und Schauspielkunst und bleibt lange in Erinnerung.“

THE CAKEMAKER kommt Anfang November in die deutschen Kinos.

Die Radio Eins Hörerjury - Britta Schöning, India von Löwis und Hikaru Suzuki - vergab den Preis für die „Beste Regie Dokumentarfilm“ an Rana Abu Fraiha, die IN HER FOOTSTEPS beim JFBB präsentierte.
 
Aus der Begründung: „IN HER FOOTSTEPS ist ein mutiger Film, der die universellen Themen Identität, Zugehörigkeit und Heimat auf sehr persönliche Weise verhandelt. Die Regisseurin Rana Abu Fraiha gewährt einen intimen Einblick in die Zerrissenheit ihrer Familie und eröffnet damit auch eine neue Perspektive auf die Spannungen innerhalb der israelischen Gesellschaft. Der Konflikt um die Grabstätte der Mutter, der die Familie zu spalten droht, wird zum Sinnbild einer weiblichen Selbstbehauptung. Als muslimische Israelin muss Rana Abu Fraiha, genau wie ihre Mutter, ihren eigenen Weg einschlagen. Wir hoffen, dass diese besondere Geschichte noch bei vielen Zuschauer*innen ihre Spuren hinterlässt.“

Bereits bei der Eröffnungsgala zum 24. Jüdischen Filmfestival Berlin & Brandenburg vergab ein Ehrengremium bestehend aus Esther Schapira und Georg M.Hafener eine „besondere Empfehlung eines Deutschen Films mit jüdischer Thematik“. DIE UNSICHTBAREN – WIR WOLLEN LEBEN von Claus Räfle und MOHAMMED UND ANNA von Taliya Finkel. DIE UNSICHTBAREN – WIR WOLLEN LEBEN ist ein zum Teil dokumentarischer Spielfilm aus dem Jahr 2017, der das Untertauchen von jüdischen Flüchtlingen während des Zweiten Weltkriegs in Berlin thematisiert. Die Hauptrollen spielen Max Mauff, Alice Dwyer, Ruby O. Fee und Aaron Altaras.

Der Dokumentarfilm MOHAMMED UND ANNA erzählt die Geschichte vom ägyptischen Arzt Mohamed Helmy, der während der Nazizeit sein Leben riskierte, als er 1941 in Berlin die 17-jährige Jüdin Anna Boros und ihre Familie bis Kriegsende vor der drohenden Deportation bewahrte.

Dazu erklären Jacqueline Hopp und Madeleine Budde, die Töchter von Gerhard Klein: „Als wir beide uns diese beiden Filme anschauten, erinnerten wir uns an Worte unsere Mutter Jenny Kahane, die tief im Unterbewusstsein vergraben waren: 'Ich schaute niemandem in die Augen, wenn ich auf der Straße war', oder: 'Ich drehte mich niemals nach jemandem um. Das war viel zu gefährlich'. Über ihre Illegalität in Berlin während der Nazizeit sprach sie nur selten – und doch war in unserer Kindheit deutlich zu spüren, wie sehr diese Jahre ihr Leben geprägt hatten. Sie war eine der 7.000 Juden, die illegal in Berlin überlebt haben, weil es damals Menschen gab, die bereit waren, zu helfen. Danke, dass es diese beiden Filme gibt und die Worte unserer Mutter ein Gesicht bekommen!“

Bereits in der Woche vor der offiziellen Eröffnung des Festivals zeigte und diskutierte das JFBB in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft e.V., dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und dem Filmmuseum Potsdam mit Schüler*innen ab Klassenstufe 8 MOHAMMED UND ANNA bei Schulvorführungen in Berlin und Potsdam. Die Regisseurin war jeweils anwesend und sprach mit den Schüler*innen über den Film. 10.000 DVDs mit der Schulfassung des Films werden im Auftrag des Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und der Deutschen Gesellschaft e.V. in diesem Jahr noch an Schulen in Deutschland versendet.

Gewidmet sind die Preise dem 1999 im Alter von 79 Jahren verstorbenen Gerhard Klein. In Berlin war Klein eine „Kinolegende“. Das Zehlendorfer Filmkunstkino „Capitol Dahlem“ ist seine Schöpfung und wurde nach seiner Gründung 1956 drei Jahrzehnte lang zu einem beliebten Treffpunkt und zu einer Institution mitten im West-Berliner Studentenviertel. Als Kinderdarsteller hatte Klein, aus einer gutbürgerlichen jüdischen Berliner Familie stammend, selbst vor der Kamera und auf der Bühne gestanden. Er war u.a. der Professor in Erich Kästners Bühnenfassung von EMIL UND DIE DETEKTIVE und spielte in Max Ophüls’ erstem Tonfilm DANN SCHON LIEBER LEBERTRAN eine Hauptrolle. 1933 traf ihn das Berufsverbot der Nazis. 1939 gelang ihm die Flucht nach Palästina, wo er in einem Kibbuz arbeitete und das noch heute bestehende avantgardistische Teatron Kameri in Tel Aviv mitbegründete. Seine Eltern sah er nie wieder. 1952 kehrte Klein nach Deutschland zurück. Für seine anspruchsvolle Programmgestaltung im Capitol Dahlem erhielt er mehrere Auszeichnungen, u.a. das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Nicola Galliner, Leiterin des JFBB: „Herzlichen Dank an die Jurys, die eine ausgezeichnete Wahl getroffen haben oder, um im jüdischen Kosmos zu bleiben, ein salomonisches Urteil gefällt haben. Zum Abschluss des Festivals freue ich mich sagen zu können, dass wir eine wirklich erfolgreiche Ausgabe erlebt haben. Zahlreiche Vorstellungen waren trotz des durchweg herrlichen Wetters und der WM ausverkauft, und zwar sowohl bei den Spielfilmen als auch bei den Dokumentarfilmen, die mir besonders am Herzen liegen, weil sie es schwerer haben, ihr Publikum zu finden. Ebenfalls erfreulich: das Publikum nahm unsere Angebote, der um Filmgespräche mit den Festivalgästen aus aller Welt ergänzten Vorführungen höchst interessiert und engagiert an. Uns ist es gelungen, zu fast jedem der Festivalbeiträge den Produzenten, Regisseur oder einen Protagonisten nach Berlin und Brandenburg zu bekommen. Ich freue mich auf die 25. Ausgabe des Festivals im nächsten Jahr, auch wenn es nicht leicht fallen wird, den diesjährigen Erfolg zu toppen.“

Vom 26. Juli bis 05. Juli waren unter dem Motto „No fake Jews“ 42 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme zu sehen, darunter 13 Filme von Regisseurinnen.
Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg ist seit beinahe einem Vierteljahrhundert das größte Forum für den jüdischen und israelischen Film in Deutschland. Es gewährt mit aktuellen jüdischen Filmen sowie Bildungs- und Kulturveranstaltungen Einblicke in die Vielfalt und den Facettenreichtum globalen jüdischen Lebens, erinnert an die Shoah und streitet aktiv gegen offenen, aber auch den häufiger auftretenden versteckten Antisemitismus. Das Festival greift auf diese Weise immer wieder hochaktuelle und gesellschaftlich relevante Themen auf. Filmisch bietet das Festival in seinem Programm die gesamte Bandbreite des aktuellen kreativen Schaffens – vom Independent- und Arthousekino über Dokumentarfilme bis hin zum Essayistischen und Experimentellen.

Das komplette Programm und vertiefende Informationen zum Jüdischen Filmfestival Berlin & Brandenburg finden Sie auf www.jfbb.de.

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